Eine Wirtin mit Herz

© Santonina 12 2012

Wieder einmal zog ich allein durch die Lande, war in Kirchbach im Oberen Gailtal stationiert. Als alles erledigt war, was ich mir vorgenommen hatte, war es schon nach neun Uhr abends. Ein Montagabend Mitte Dezember, schon lange finstere Nacht, der klassische Ruhetag, in ganz Kirchbach war nichts Essbares in Lokalen zu erwarten.

Ich zog also weiter, von einer Ortschaft zur nächsten, auf Nahrungssuche. In einem kleinen Café lachten mich zufriedene Gäste an. Eine Erkältung plagte mich, mein Körper forderte Warmes. Die berühmte warme Suppe als Elixier für Leib und Seele. Ein Lokal wurde mir genannt, Licht, Aktivitäten, doch auf meine Frage nur ein ablehnendes Kopfschütteln.

Da ich eine ähnliche „Herbergsuche“ vor kurzem schon einmal erlebt hatte, war ich einigermaßen grimmig und zugleich verzagt.

Jetzt blieb nur noch, bei Nacht und Nebel noch ein Stück weiter zu rollen, flussab war ich unterwegs, nach Tröpolach, in den letzten Jahren begrifflich zur Basisstation des Schivergnügens am Nassfeld verkommenes Dorf. Dort entschloss ich mich, ins Gasthaus Filippitsch einzutreten. Ein großes erleuchtetes Weinfass an der Hausfassade ließ vermuten, dass es hier was gibt, ein bisschen Gastlichkeit an einem Tag, der in der allgemeinen Tourismusstatistik der Region ohne Bedeutung ist.

Die Chefin war noch da und hatte Erbarmen. Auch wenn niemand mehr in der Küche sei, sie habe deshalb noch keinen Gast abgewiesen. So wurde ich mit einer üppigen, köstlichen Frittatensuppe gelabt. Frau Filippitsch leistete mir sogar beim Essen Gesellschaft. Sie sei immer Wirtin aus Berufung gewesen, erzählte sie. Wir kamen darauf zu sprechen, dass noch vielfach Herzlichkeit und Missgunst Tür an Tür wohnen und man das in der Weihnachtszeit besonders spürt. Manche wollen nur Betten verkaufen, aber für sie sei es eine Lebensaufgabe, für die Gäste da zu sein. Man nimmt es ihr ab. Ein Leuchten ist im Raum.

Die Begegnung hat mich sehr berührt. Mit dem Gefühl im Herzen, in diesem kargen Bergdorf eine liebe Seele und damit einen weiteren Stützpunkt gefunden zu haben, fahre ich zurück zu meinem Quartier.

Es gibt weitere liebe Seelen dort. Freunde von mir leben in Tröpolach. Überall sind Lichter angezündet in der Nacht. Ein klein wenig gesünder komme ich in meiner Herberge an.

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