Gailtaler Weinphilosophen

 Die Gailtaler Weinphilosophen

© Santonina

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Die Gailtaler Weinphilosophen im Hause Holzfeind in Mandorf, Kötschach-Mauthen – Werner Holzfeind, rechts, mit Neo-Winzer und Partner Günther Warmuth (rotes Hemd), links Peter Lamprecht

Eine Weinverkostung war im November 2012 angesagt. Eine solche Einladung mit privatem Charakter war für mich eine ganz hohe Auszeichnung. Jeder der Anwesenden steuerte etwas bei, brachte eigene Weine und so manches andere gute Tröpferl zum Verkosten und Begutachten mit. Werner Holzfeind und Frau überboten sich an Gastfreundschaft. Der Wein benötigte natürlich Unterlage, und diese wurde großzügig mit heimischen Brot-, Käse- und Fischspezialitäten geboten.

Den Cabernet von Werner Holzfeind ortete ich, da blind verkostet, als sensationellen tiefgründigen Wein. Vom jungen Uhudler bis zu Raritäten in Geringstmengen aus Kirchbach, die niemals in den Handel kommen, war allerlei Staunenswertes dabei, Weine aus dem Lavanttal genauso wie nordburgenländische Trendsetter.

Weit spannender aber noch als die Verkostung waren die Gespräche, die sich ergaben, und ausgerechnet ein Met war für mich die Sensation des Abends. Erschüttert musste ich zur Kenntnis nehmen, dass dieses genussvolle Erlebnis eine Eintagsfliege war. Denn dieser Met mit dem himmlischen, tiefgründigen Aroma wird niemals in Regalen stehen, es sei denn, Peter Lamprecht aus Kirchbach kann seinen Sohn eines Tages dazu gewinnen, diesen traumhaften Honigwein mit der geheimen, sorgfältig gehüteten Hausrezeptur in größeren Mengen zu produzieren.

Ja, das sind wahrhaftig Raritäten. Weine in viel zu geringen Mengen, die fast schon auf Almniveau dank höchster Winzerkunst und Sorgfalt prächtig gedeihen und durchaus konkurrenzfähig sind. Eine unbekannte Direktträgersorte, von einem Tiroler und einer Kärntnerin im Burgenland erzeugt, und ein Met mit köstlicher Würzung, der nirgendwo erhältlich ist.  Mich beschäftigte natürlich die Frage, wie man bei solchen Fertigkeiten und Gaben sich so hartnäckig auf eine ganz geringe Herstellungsmenge beschränkt bleiben kann – wenn alle Welt, die davon Kenntnis hätte, sich darauf stürzen würde. Peter Lamprecht blieb gelassen. Es sei halt einfach die Freude am Entstehungsprozess und am guten Ergebnis. Das habe nichts mit Vermarktung zu tun. Der Gipfel der Liebhaberei, abgefahren, verrückt!

Ja, da wird man philosophisch. Da sitzen Menschen mit einer solchen Begeisterung, mit leuchtenden Augen, tauschen ihre Erfahrungen aus. Das ist Lebenskunst – ja, da kann man was dazu lernen. Je fortgeschrittener die Stunde, je mehr Wein in meinem Blut floss, desto klarer wurde mir, dass ich bei den Weinphilosophen eine wichtige Lektion gelernt habe. Es kommt nicht auf den in Profit messbaren Erfolg an, sondern auf die Freude am Ergebnis – und auf solche Begegnungen.

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