Pinkamindszent hat eine Galerie! Ausstellung Cseh/Papp 2017

Reges Kulturleben an der österreichisch-ungarischen Grenze oder: Wo sich die Welt trifft

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Die Vernissage am 21. Jänner 2017 mit Email-Kunst von Gabi Cseh und Keramik-Kunst von József Papp war ein wunderschönes interkulturelles Ereignis.

img_4260Wenn man das erste Mal nach Pinksmindszent kommt und nach der pART-Galerie besucht, isgt dies ein wenig abenteuerlich. Man möchte annehmen, dass sich ein solcher Ort der kulturellen Begegnung im Zentrum befindet, doch dies ist nicht der Fall. Man fährt noch ein gutes Stück in Richtung Körmend, um auf einen größeren Ziegelbau aufmerksam zu werden. Nur wer bereits auf der Suche ist, würde auf das kleine Plakat vor dem Eingang aufmerksam werden, das die Ausstellung ankündigt. Der Eingang in das Gebäude wirkt auch nicht sonderlich verlockend.

Umso überraschter ist man, wenn man das Haus betritt. Helle, freundliche Räume, angenehm temperiert, gut beleuchtet. Ein herzlicher Empfang. Erferischungen werden offeriert. Die Gastfreundschaft ist so groß, dass es zunächst gar nicht gelingt, zu den Exponaten zu gelangen, die man als Galeriebesucher besichtigen möchte. Strahlende Gesichter, das Künstlerpaar aus Sopron. Sanfte Musik ertönt von vis-à-vis, wo ein Musiker an einem imposanten doppelreihigen Keyboard Platz genommen hat.

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Doch dann bietet sich doch Gelegenheit, um Gabi Csehs Schmuck auf einem runden Holztisch zu bewundern und die Email- und Keramik-Bilder und Keramikobjekte im mittleren Raum zu betrachten. In der Tat, es handelt sich nicht um gemalte Bilder, sondern um Bilder aus Email und um Bildcollagen aus Keramik von herausragender Originalität und Qualität. Beide Kunstschaffenden sind für ihren Ideenreichtum bekannt, aber auch für ihr soziales Engement und ihr Bemühen, den Menschen in ihrem Umfeld die Kunst näher zu bringen und sie zu eigenem kreativen Tun zu ermutigen. Zu diesem Zweck hat József Papp bunte Drähte aus dem Elektrobedarf mitgebracht, die er an das Publikum verteilt. Dieses verformt die Drähte zu abstrakten und gegenständlichen Formen, die sich spontan ergeben. Viel Muße zum Überlegen bleibt nicht, denn man ist ja in jeder Hinsicht abgelenkt.

img_4268Gabi Csehs Bilder sind von großer Ausgewogenheit und Komplexität. József Papp ist bekannt für seine kühnen Ideen.  Der Festredner, Dr. Ernö Deak, eigens aus Wien mit Gattin angereist, hob hervor, wie sich die beiden Arbeitsstile ergänzen und teilweise ineinander übergehen. Die Ausstrahlung der Werke wurde in den Kontext ungarischer Gedenktage und ungarischer Poesie gestellt. Durch die Rede, die von Dkfm. Mimg_4270iklós Németh aus Sopron für das deutschsprachige Publikum gedolmetscht wurde, erfuhr man auch, dass Gabi Cseh im Vorjahr eingeladen wurde, einen Kalender für die ungarische „Wart“ (das ungarische Pendant zu unserer Oberwarter Region)  mit Gedichten eines der bekanntesten ungarischen Dichter zu gestalten. Ihre eigens für diesen Kalender geschaffenen Werke sind in der Ausstellung zu bewundern und tragen die Titel der Gedichte. Wie man in Feueremail-Technik so feinfühlig Gesichter und Stimmungen darstellen kann und wie man diese perfekten Farbnuancen zustandebringt, darüber kann man nur staunen, das ist einfach Meisterschaft.

img_4261Die Galeristin, Frau Ágota Rajner, meldete sich dankend zu Wort und begrüßte die Gäste, die aus allen Richtungen und zum Teil aus großer Entfernung gekommen waren. Unter ihnen der Bürgermeister, der für diesem Besuch Zeit gefunden hatte. Erstmals fanden sich auch österreichische Gäste in der Galerie ein, die durch Facebook von der Ausstellung vernommen hatten. Dabei handelte es sich um ein Künstlerpaar, das sich auf Ungarisch verständigen konnte. Wir erfuhren von Frau Rajner auch Einiges über die Geschichte des Ortes und des Hauses, in dem wir uns befanden. Es diente einst als Militärstützpunkt und dient nun erfreulicherweise kulturellen Zwecken. Mehrmals im Jahr finden Ausstellungen statt, aber auch weitere Kuturveranstaltungen gibt es, und dies in einem Ort, der gerade einmal ca. 140 Einwohner zählt! Über Pinkamindszent gibt es übrigens eine lesenswerte, schön gestaltete zweisprachige Broschüre, erhältlich bei Frau Rajner.

img_4251Mit Samthänden sorgte Zuwanderer Nigel Hughson für musikalische Stimmung. Vertraute Weisen aus Klassik, Oper und Ballett, aber auch modernere Romantik (Enya) verzauberten. Etwas Besonderes hatte sich der Musiker, den es aus Wales nach Ungarn verschlug, für die Eröffnung einfallen lassen. Nach ein, zwei Schweigeminuten ertönte Orchestermusik eines bekannten englischen Komponisten, die er Nigel Hughson gekonnt begleitete. Das harmonische, berührende Stück sorgte bei Musiksinnigen für Gänsehaut. Beim Small Talk nach der Eröffnung erfuhren wir, dass seine Gattin aus London stammt und dass die beiden sich in Pinkamindszent sehr wohl fühlen und die Natur genießen. Nigel Hughsons Musik finden wir sehr geeignet für meditative, romantische Konzertabende. Es ist zu wünschen, dass es auch zu Auftritten in Österreich kommt. Er gibt auch Kurse.

Kulturkontakt Pinkamindszent (Englisch, Ungarisch):

Frau Ágota RAJNER – Kulturorganisatorin, 9922 Pinkamindszent, hrsz.: 140/23o

E-Mail: ikszt.pinkamindszent at gmail.com

Telefon: +32/20/406-67-07

Gabi Cseh – http://www.csehgabi.hu/ auch auf Facebook

József Papp – http://www.pappart.hu/ auch auf Facebook

Dr. Ernö Déak – Historiker, Leiter Dachverband der ungarischen Kulturvereine in Wien, http://www.volksgruppen.org/index.php?id=85

Nigel Hughson – Musik, auf Facebook

Anderer Beitrag zum Event erschienen hier: https://artistscp.wordpress.com/2017/01/22/internationale-begegnung-im-grenzland/

Bericht vom Event in ungarischer Sprache >> http://vaol.hu/kultura/vilagra-szolo-halo-pinkamindszenten-1813330

Diaschau – Slide Show:

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