Meine Eindrücke vom Buch

Paula Hoanzl

Poridanda

Kindheit und Jugend im Südburgenland 
1938 – 1961
Edition Campus Druck & Verlag Tübingen

Santoninas Eindrücke von der im Jahr 2016 erschienenen Biografie

Das ausdrucksstarke Porträt auf dem gelungenen Cover macht neugierig. Wer ist diese Frau? Was erlebte sie in den Kriegs- und Nachkriegsjahren in einer österreichischen Region, die erst in den vergangenen Jahrzehnten durch den Thermentourismus mehr Bekanntheit erlangt?
Es gibt aber auch persönliches Interesse an diesem Buch. Einige Vorfahren Santoninas lebten in einem Nachbardorf. Würden Vorkommnisse in diesem Dorf ebenfalls im Buch erwähnt sein? Decken sich die Schilderungen mit den Erzählungen von Santoninas Angehörigen?

Erste Eindrücke und viele Fragen

11729731_webDie Lektüre des Buches gab so manche Antworten, warf aber noch weit mehr Fragen auf. Nur die Kontaktaufnahme zur Verfasserin und zum Verleger können dabei helfen. Des wird geschehen, sobald sich eine Gelegenheit ergibt. Anhand des Buches und des Zeitungsaritekel in Mein Bezirk Online erfährt man nur Andeutungen, wie es zur symbiotischen Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Bestsellerautoren und Verleger Christoph Fasel und der südburgenländischen Autorin kam.

Es ist eine Eigenheit von mir, dass ich zuerst  die ersten und letzten Seiten eines Buches aufschlage. Das abrupte Abbrechen der Biografie mit dem Beginn des Ehelebens der Erzählerin mutet seltsam an und das dürfte wohl auch bei der Herausgabe des Buches aufgefallen sein. In einer Kurzbeschreibung des Autorin zu Beginn des Buches wird zur Vervollständigung erwähnt, dass sie mit ihrem Mann ihren Lebensabend in Kukmirn verbringt, mit ihm über 40 Jahre einen Gastbetrieb führte und mit ihm drei Kinder großzog. Man könnte mutmaßen, dass ein Teil 2 in Arbeit ist und das Bild vom Leben der Autorin vervollständigen wird. Ich suchte am Ende des Buches nach einem „Fortsetzung folgt…“ Leider nein. Aber die Hoffnung lebt. Das Erfolgs-Duo dürfte noch Energie-Reserven haben, so wie die beiden auf einem gemeinsamen Foto strahlen.

Lesenswerte deutsch-österreichische Kooperation

Ja, damit ist es ja schon fast gesagt. Das Buch „Poridanda“ mit Paula Hoanzls Erinnerungen ist so interessant, dass man gerne eine Fortsetzung davon möchte. Vor allem möchte man gerne wissen, wie eine „einfache Frau“, der höhere Bildung verwehrt war und eine so schwere Kindheit in ärmsten bäuerlichen Verhältnissen erlebte, sich mit ihrer Rolle als Ehefrau, Mutter und als Wirtin zurechtfand. Ich möchte auch zu gerne das Manuskript dieser Frau sehen, mir vorstellen können, wie sie diese Formulierungen traf, wie es ihr mit dem Schreiben erging.

Staunend entdeckte ich sowohl ein Vorwort als auch ein Nachwort der Autobiografin. Darüber hinaus gibt es auch noch Worte zum Geleit des Herausgebers und für eine schlichte Biografie erstaunlich, ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis. Doch leider schweigt sich der Erfolgsautor darüber aus, wieviel an dem Buch sein Anteil ist und wie viel von Paula Hoanzl selbst stammt. Denn die Ausdrucksweise in „deutschem Deutsch“, nicht in „österreichischem Deutsch“, lassen starke Anpassungen oder mögliches Mitautorentum vermuten.

Wunsch nach mehr Information über das „Making Of“ und nach mehr Details

Ein ehrliches Wort darüber, wie die Zusammenarbeit ablief, wäre angebracht gewesen. Man hält ein eigentümlich hybrides Buch in der Hand, klar, schmucklos und authentisch in den Schilderungen der Erinnerungen, aber gewöhnungsbedürftig in der Ausdrucksweise, die so ganz und gar nicht dem Erzählton der südburgenländischen Landesbewohner entspricht.Auch manche Worterklärungen hätten nach einem Glossar verlangt. Bereits auf Seite 11 findet man sich mit dem Wort „Schlafblätter“ konfrontiert, einem Ausdruck, für den sich im Internet keine Erklärung findet.

Screenshot 2017-03-12 11.55.41.pngZum anderen wäre ein Mehr an typischen Redewendungen und Ausdrücken sehr erwünscht gewesen, denn die Originalität der hierzulande gebrauchten Wörter ist allgemein recht erstaunlich. Die kindliche Wortschöpfung „Poridanda“, auf solchem „linguistischen Boden“ entstanden, wäre somit gar ein wenig plausibler. Enttäuschend aufgrund meines Familienhintergrundes war auch, dass zwar von einem Weg zu einer Tanzunterhaltung im benachbarten Neusiedl bei Güssing geschrieben wird, aber ohne Erswähnung des Lokals, in dem dieses Tanzfest stattfand.

Mehr Lokalkolorit, mehr Schilderung der Landschaft, der Vegetation, des Musiklebens, der Ernährung, der Nachbarschaft, ein bisschen mehr von allem wäre wünschenswert, doch das hätte natürlich den Rahmen des Buches  ins Romanhafte ausgeweitet. Interessant wären auch Erklärungen über die evangelischen Wurzeln gewesen. Da die Bevölkerung der meisten umliugenden Dörfer überwiegend katholisch ist, wäre die Bedeutung Kukmirns als evcangelische Hochburg erwähnenswert. Aber natürlich sind der Frau, die ihre Erlebnisse schildert und kaum aus ihrem Heimatort hinauskam, so manche Besonderheiten ja gar nicht bewusst.

Wertvolle Einblicke in die Lebens- und Leidensgeschichte der südburgenländischen Bevölkerung

So weit zur ersten etwas schwierigen Annäherung an das Buch, das mich aber letztlich doch in seinen Bann zog. Nach ein wenig Überwindung fand ich mich mit dem Sdil des Buches ab und konzentrierte mich auf den Inhalt. Seite um Seite las ich in Dankbarkeit dafür, dass eine authentische persönliche Schilderung der örtlichen Lebensweise und Kriegsgeschehnisse veröffentlicht wurde, ja mehr noch, dank der Professionalität des Verlegers auf dem internationalen Buchmarkt verfügbar ist.

Mit Wehmut denkt Santonina dabei an den nur wenig erfolgreichen Versuch, ihren aus Neusiedl stammenden Vater zu Erzählungen vom Dorfleben zu bewegen. Die Traumatisierungen durch seine Kindheit, Jugend und Kriegsgefangenschaft waren zu groß, sodass er kaum Worte fand. Auch seine Familie hatte ähnliche Härten erlebt, und das kann man ausdehnen auf alle, alle, die dort lebten.

Es sei in diesem Zusammenhang auch einmal darauf hingewiesen, dass es bis auf den beherzten „Engelmacher“ in Fürstenfeld, der auch im Buch „Poridanda“ Erwähnung findet, in keiner Weise für die Kriegsopfer gab, und zu diesen gehörten auch die Soldaten, die nach unfassbaren Eerlebnissen ein bürgerliches Leben aufbauen mussten, ohne dass es jemals dafür Verständnids, geschweige denn psychologische Betreuung gab. Alle mussten selbst mit den Geschehnissen fertig werden. Viele hatten Dauerschäden davongetragen. Und viele schweigen noch bis heute aus Angst oder Scham beziehungsweise nehmen ihre Geheimnisse mit ins Grab. Zumal unsere „Erinnerungskultur“ Randgruppen favorisiert und gerne darüber hinwegschaut, dass von den Greueltaten des Krieges Unzählige betroffen waren, die auch nur einfach ihr Leben leben wollten und unfreiwillig in sinnloses Kriegsgeschehen verwickelt wurden.

Aber zurück zum Buch.

Unbedingt lesen.

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Zusammenfassung

Poridanda – Kindheit und Jugend im Süpdburgenland 1938 bis 1961″ ist ein absolut lesenswertes Buch einer südburgenländischen Zeitzeugin über das Leben und Leiden ihrer Familie und anderer Dorfbewohner und gleichzeitig ein wertvoller kulturhistorischer Beitrag. Der schöne schlanke Band sollte in keinem burgenländischen Haushalt fehlen und zu einer Standard-Lektüre der jüngeren Generation werden. Es ist wichtig, sich seiner Wurzeln bewusst zu sein und eine klare Vorstellung davon zu haben, wie unsere Ahnen lebten, was sie fühlten, was sie bewegr´te.

Es ist zu wünschen, dass dieses Beispiel Schule macht und weitere Bewohner und Bewohnerinnen des Südburgenlandes sich ebenfalls die Mühe machen, ihre Erinnerungen aufzuzeichnen und wenn möglich der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Vieles ist in dieser Region (und auch in anderen Regionen!) noch nicht aufgearbeitet. Der beste Weg, alte Wunden zu heilen, ist nicht sie zu verdrängen und zu vergessen, sondern sie noch einmal zu betrachten und mit den heute reichlich zur Verfügung stehenden Mitteln zu heilen. Dazu leisten engagierte Menschen wie Paula Hoanzl und ihr Verleger einen unschätzbaren Beitrag. Ich plädiere daher für einen Literaturpreis für diesen Band.

>> zurück zu weiteren Information betreffend das Buch (Erhältlichkeit, Medienbericht in „Mein Bezirk“, verfasst von Madfrtin Wurglits, mit Abbildungen der Autorin und des Verlegers) https://santonina.wordpress.com/berichte/poridanda-eine-kukmirnerin-erzaehlt/

>> Museale Einblicke in der Region >> https://santonina.wordpress.com/berichte/poridanda-eine-kukmirnerin-erzaehlt/museale-hinweise-kulturkontakte/

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