Sonnige Menschen im Schatten

Eine Aktion der Menschlichkeit

© Santonina 02 2013

Mit einer Wirklichkeit in Berührung zu kommen, ist wirklich anders als Beobachtungen aus einer Distanz. Es kostete mich keine Überwindung, in diese Sozialstation zu gehen, war ich doch frohen Mutes, dass ich den Menschen etwas Sinnvolles in Aussicht stellen konnte.

Die Räumlichkeiten wirkten hell und freundlich, der Empfang war einfach, aber eher herzlich. Durch frühere Kontakte überblickte ich bald einigermaßen die Lage, ohne Erklärungen zu erfassen, wo der Schuh drückte. Ich sah mich von seelenvollen Betreuerinnen umgeben, die unter einem dienstlichen Schweigegebot litten.

Doch es ist leicht zusammen zu reimen. Geringe Bezahlung, geringe Wertschätzung in der Gesellschaft. Jeder Ausflug ins Umfeld wird zum Spießrutenlauf, weil eine mächtige Quote noch gern die Politik eines gewissen Machthabers verwirklicht sähe. Da wird getuschelt, werden Drohungen ausgesprochen. Beschämend.

Es ist ein Mangel an besserem Wissen, dunkle Nacht. Doch leider entladen sich die Flüche an Wehrlosen, an ihren Schützlingen. Die aber leben in ihrer Welt und ahnen nichts von Ränken, Kränkungen, sozialem und finanziellem Druck. Wir unterhalten uns ein Weilchen über existenzielle Grundfragen.

Mein kulturelles Vorhaben, von allen Seiten durchleuchtet, ist nicht realisierbar. Zu gravierend sind die Behinderungen. Beim Hinterfragen von Bedürfnissen, Sehnsüchten und Hemmnissen zeigt sich bald, dass viele Vorstellungen nie ganz durchdacht wurden und nicht realisierbar sind. Den Weg versperren die Schweigepflicht, die Betreuten in ihrer Eigenart selbst und offenbar auch Ängste. Wie eingeengt kann ein Berufsleben denn noch sein!

Aber schließlich werden wir doch fündig, und zwar auf dem Gebiet der Wunscherfüllung.

Die schönsten Momente in ihrem schweren Alltag bieten den Betreuerinnen und ihren Schützlingen die kurzen Ausflüge, die sie manchmal unternehmen. Sie strahlen, wie sie mir vom letzten Tagesausflug erzählen, der ihnen allen so gut getan hat. Nur sei es ganz schön schwer, taugliche Touren auf die Beine zu stellen, mit vier Rollstuhlfahrern, wovon eine Person den Rollstuhl nicht verlassen kann.

Solche Ausflüge kann man nur machen, wenn es auch ein Ausflugsziel gibt. Und das ist der springende Punkt! Wohin reisen? Selten genug kommt es vor, dass diese soziale Randgruppe mit ihren mager entlohnten Engeln irgendwo menschlich behandelt wird.

Ein wenig bekämen sie schon mit, die Betreuten. Aber allen gemeinsam täte es gut, der unbeschreiblichen Monotonie und Frustration zu entkommen.

Jetzt weiß ich genau, was zu tun ist. Ich habe einige Netzwerke gestartet, und das kann uns nun zugute kommen. Im Umfeld können wir Betriebe, Streichelzoo und alle erdenklichen weiteren Ausflugsziele ausfindig machen. Wobei die Betreuerinen selber Wünsche notieren werden.

Und dann werden wir schauen, was machbar ist und wo es Menschen mit offenen Herzen gibt, die keine Berührungsängste kennen. Denn das scheint ja noch immer ein Grundübel zu sein. Wie Weihnachtswichtel werden wir einfach Kontakte von Mensch zu Mensch herstellen und dazu beitragen, dass dieses Grüppchen, das wahrlich mehr Sonnenschein verdient hat, Schönes erlebt und von diesen Erlebnissen zehren kann.

Ja, nicht immer ist es Geld, das weiterhilft (allerdings werden wir dann und wann geeignete Kleinbusse brauchen). Manchmal brauchen sich nur Türen öffnen, manchmal muss man diese Türen finden.

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